Was die Costa Blanca von Mallorca unterscheidet, ist die schiere Vielfalt an Klettermöglichkeiten. Es gibt mehr Bergpässe, mehr Streckenkombinationen und die Straßen wirken rauer und weniger touristisch, sobald du die Küste hinter dir gelassen hast. Die Radfahrerkultur ist hier tief verwurzelt - die Autofahrer sind an Radfahrer gewöhnt und hupen vor dem Überholen eher aus Höflichkeit als um sich zu beschweren. Die WorldTour-Teams trainieren hier den ganzen Winter und Frühling über, und von einem Visma-Lease a Bike-Zug mit 40 km/h auf einem Berganstieg überholt zu werden, ist ein Erlebnis, das dir in Erinnerung bleibt.
Wann soll man gehen
Februar bis Mai ist die goldene Jahreszeit. Die Temperaturen liegen perfekt zwischen 15°C und 22°C - warm genug für kurze Ärmel auf den Anstiegen, kühl genug, um sich auszupowern, ohne zu überhitzen. Im Februar und März kommen die Profiteams: Visma-Lease a Bike, Lidl-Trek und andere sind regelmäßig auf den Straßen rund um Calpe zu sehen. Die Fahrradverleihe halten ihre beste Ausrüstung bereit und die Hotels haben sich auf Radfahrer eingestellt.
September bis November sind eine hervorragende Alternative - die Straßen sind ruhiger als im Frühling, die Temperaturen liegen stabil bei 20-25°C und das Mittelmeer ist immer noch warm genug, um nach deiner Fahrt darin zu schwimmen. Dezember und Januar fühlen sich mit 14-18°C wie ein guter norwegischer Sommertag an, ideal für das Grundlagentraining. Nimm eine Windweste und Armstulpen für die Abfahrten mit - es wird kalt im Schatten, wenn du von den Bergen kommst.
Vermeide Juli und August. Die Temperaturen steigen regelmäßig auf über 30-35°C, die Küstenstraßen sind voll mit Touristen, und ernsthaftes Radfahren auf der Straße wird sowohl unangenehm als auch unsicher.
Unterkunft
Calpe ist der ideale Ausgangspunkt - die Berge sind in jeder Richtung leicht zu erreichen, und die Küste ist von Osten und Westen aus gut zu erreichen. Der Flughafen von Alicante ist etwa eine Stunde entfernt. Von Calpe aus kannst du alle wichtigen Anstiege ohne Transfer erreichen, was bedeutet, dass du mehr Zeit auf dem Rad und weniger Zeit im Auto verbringen musst.
Die vier Anstiege, die jeder Radfahrer fahren sollte
*Coll de Rates — der berühmte.* Der Anstieg, den jede Costa-Blanca-Radreise einbaut, zu Recht. Von Parcent auf der Südseite: 6,4 km mit 5,5 % im Schnitt. Glatter Belag, gleichmäßige Steigung, weite Ausblicke über die Inland-Täler und ein Café am Gipfel, das eine Costa-Blanca-Institution ist. Tadej Pogačar hält den Strava-KOM bei 11:57 — Kontext für den Rest von uns.
*Port de Tudons — lang und angenehm.* Der Anstieg, den ich in der Region am meisten liebe. Port de Tudons klettert 757 hm über 15,2 km mit 5,3 % Schnitt von Süden — lang, gleichmäßig, schön. Die Art Anstieg, in den du dich in einen Rhythmus einfindest und die Kilometer ticken vor sich hin. Keine brutalen Rampen, keine taktischen Entscheidungen — nur konstantes Klettern durch Pinienwald, mit sich progressiv öffnenden Aussichten.
*Puerto de Confrides — Tudons' Geschwister.* Ein ähnliches Profil wie Tudons — ein langer, niedrig-prozentiger Anstieg mit dem gleichen großzügigen Charakter. Die volle Version von Callosa klettert 706 hm über 20,4 km mit 3,5 % Schnitt — einer der längsten anhaltenden Anstiege auf Costa Blanca. Von der Südseite sind es steilere 5,4 km mit 4,8 %.
*Cumbre del Sol — kurz, brutal, unterschätzt.* Eine andere Sorte. Cumbre del Sol ist 3,7 km mit 9,6 % im Schnitt — kurz, brutal und vom ersten Meter an fordernd. Aber die 360-Grad-Aussicht am Gipfel ist die Belohnung: Mittelmeer unter dir, Berge im Hinterland, die ganze Costa-Blanca-Halbinsel vor dir ausgebreitet. Mike Woods hat hier während der Vuelta a España 2017 den Strava-KOM gesetzt (9:24). Wird weniger besprochen als Coll de Rates und Tudons — ich finde, er wird unterschätzt.
Was die Costa Blanca auszeichnet
Mehr Klettervielfalt als auf Mallorca, mit einer größeren Konzentration von kategorisierten Bergpässen auf kleinem Raum. Die Kehrseite ist, dass es weniger flache Routen gibt, wenn du einen leichten Tag verbringen möchtest - diese Region ist für Kletterer gemacht. Die Infrastruktur für Radfahrer ist hervorragend: fahrradfreundliche Hotels, gut ausgestattete Verleihshops und eine Fahrerkultur, die Radfahrer auf der Straße respektiert.
Praktische Tipps
Nimm in den Bergen immer Bargeld mit - nicht jedes Café oder jede Bar akzeptiert Karten, und du willst das nicht erst auf dem Gipfel eines langen Aufstiegs herausfinden. In Spanien kann man Wasser direkt aus der Leitung trinken. Am besten füllst du es in den Dörfern auf den Bergrouten auf - andernfalls fragst du in einem Café nach und sie werden deine Flaschen ohne zu fragen auffüllen. Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit.